Omar hat uns verlassen

Ein Junge, der davon träumte, mit seinen Eltern und seinem Bruder, in Deutschland in Sicherheit zusammen zu leben.

Omars Unglück war es, dass er Syrer ist, der in einem Kriegsgebiet geboren und aufgewachsen ist und dort Gewalt erlebt hat. Obwohl seine Mutter auf verschiedene Weisen versucht hatte, ihn nach Deutschland zu bringen, musste er allein in Syrien zurück bleiben.

Omar ist das Opfer falscher Entscheidungen in der Einwanderungs- und Asylpolitik,

Omar ist das Opfer der Unwissenheit seiner Eltern, er ist das Opfer einer grausamen Gesellschaft.
Die deutsche Botschaft in Beirut war ein Partner in diesem Verbrechen.

Ich erzähle euch die ganze dramatische traurige Geschichte der syrischen Familie,die ich persönlich kenne.

Am 05.07.2017 war Omar mit seinen zwei Geschwistern und seinen Eltern bei der Botschaft und stellte einen Antrag auf ein Visum zur Familenzusammenführung. Denn der älteste damals noch minderjähriger Bruder von Omar lebt seit 2015 mit Flüchtlingsschutz in Deutschland.
Nach einigen Monaten entschied die Botschaft, dass nur die Eltern nach Deutschland kommen sollten. Omar’s Antrag und die Anträge der beiden anderen minderjährigen Geschwister wurden abgelehnt.
Das war der Anfang der Tragödie, denn das hatte die Familie nicht erwartet. Sie war nicht gut informiert und wusste nichts von den Änderungen in der deutschen Flüchtlingspolitik.
Es war klar ,die Eltern mussten sich entscheiden: Tod in Syrien oder Trennung der Familie zwischen Syrien und Deutschland. Der Vater ist arbeitsunfähig und krank: Er ist seit seiner Geburt stumm und äußert seine Meinungen nur mit Tränen und Fingersignale. Außerdem ist er herzkrank und benötigt tägliche Betreuung. Die Mutter muss sich um ihren Ehemann kümmern.
So haben sie sich entschieden, dass die Eltern gemeinsam nach Deutschland fliegen. Ihre Hoffnung war dass, sie die Kinder in wenigen Monaten nachholen. Wir können nicht beurteilen, welche Umstände hinter dieser Entscheidung stecken. Die Krankheit des Vaters, das zerstörte Haus, falsche Informationen über Deutschland… Eine solche Entscheidung kann man nicht verstehen.
Aber ich kann noch weniger verstehen, warum die Botschaft in Beirut den Visumantrag der Kinder abgelehnt hat.

Das Ergebnis der Entscheidung:

Drei minderjährige Kinder, zwei Jungen und ein Mädchen, müssen in Syrien ohne Begleitung in der Gewalt von Verwandten leben und leiden unter Armut ,Gewalt und fehlendem Respekt vor Menschenrechten.
Die Kinder wurden zuerst von Verwandten gegen Geld betreut. Die Verwandten denken, dass die Eltern in Deutschland reich geworden sind. Sie erhöhen immer wieder den Preis der Betreuung, ohne dass die Kinder etwas davon bekommen. Aber die Eltern haben keine Wahl, sie müssen für die Betreuung der Kinder bezahlen, denn die Verwandten haben die Kinder geschlagen,wenn die Eltern keine Geld geschickt haben.
Die Eltern selbst sind arm, sie wohnen noch in einer Sammelunterkunft. Sie bekommen beide nur Sozialhilfe, 525Euro monatlich. Sie essen fast nichts damit sie etwas sparen und nach Syrien überweisen können.
Die Verwandten in Syrien haben die Kinder gezwungen in die Arbeit zu gehen .Sie erlauben den Kindern nicht mit ihrer Mutter zu sprechen.
Das älteste Mädchen (14 Jahre ) wurde belästigt.Sie weint oft und will ihre Mutter. Sie wohnt jetzt bei ihrer Tante. Die Tante selbst wohnt unter der Kontrolle der Familie ihres verstorbenen Mannes, die natürlich nur gegen GELD erlaubt, dass das Mädchen dort wohnt.
Die anderen beiden Kinder befinden sich unter dem Gewalt ihres Onkels. Sie mussten die Schule verlassen. Der Onkel jammert, er würde noch mehr Geld benötigen, um die Kinder zu ernähren.
Die Eltern in Deutschland können die neue Forderungen für die Betreuung der Kinder nicht mehr leisten, das bedeutet aber mehr Gewalt gegen die Kinder in Syrien.
Die Eltern haben nur den sogenannten subsidiären Schutz bekommen. Das bedeutet, seit August 2018 hatten sie endlich das Recht auf Familiennachzug. Aber wann das klappt, weiß kein Mensch. Ich denke aus Erfahrung, dass es wegen der Bürokratie Jahre dauern wird.
Die Mutter kommt täglich zu uns. Sie bekommt bei uns Essen und telefoniert mit den schlimmen Verwandten in Syrien. Manchmal hat sie die Chance mit ihren Kindern per Skype zu sprechen. Im Flüchtlingscamp hat sie kein W-Lan.

Am 01.03.2019 kam Omar ins Krankenhaus, er litt an Meningitis (Hirnhautentzündung).
Seine Mutter weinte den ganzen Tag. Am 03.03. funktionierte nur noch sein Herz und seine Mutter überlegte, vor seinem Tod nach Syrien zurückkehren. Aber bevor sie sich bei einem Rechtsanwalt informieren konnte, ob das möglich ist, ist Omar gestorben.

Ich denke, Omar ist an dem Ablehnungsbescheid der Botschaft gestorben.

In Deutschland werden Kinder gegen Hirnhautentzündung geimpft und müssen an dieser Krankheit nicht sterben.
Die Eltern hatten durch die grausame Entscheidung der Botschaft zwei Möglichkeiten, den Vater in Deutschland medizinisch behandeln zu lassen oder in Armut und Krieg in Syrien zu bleiben.
Die deutsche Botschaft hat sie indirekt zur Entscheidung zwischen dem Tod des Vaters oder dem Tod des Sohnes gezwungen.

Welches Ziel verfogt Deutschland mit dieser grausamen Visapolitik?
Ist das Ziel wirklich nur die Anzahl der Flüchtlingen zu reduzieren?
Oder ist das Ziel, uns zu zeigen, dass unsere Familien und das Leben unserer Kinder keine Bedeutung hat?

Wenn diese Geschichte Ihre Gefühle berührt, dann haben wir die Chance Omars Geschwistern zu helfen.
Meine Gedanken sind bei Omars Mutter, seinem Vater und seinen Geschwistern.

Shadi Al Salamat, 04.03.2019

2 Kommentare

  1. Mich hat diese Geschichte sehr traurig gemacht.
    Da ich auch helfe dass Geflüchteten der Familiennachzug erlaubt wird und einsamen Flüchtlingen.

    1. Die Geschichte ist sehr traurig und ich konnte mich nicht halten,um nicht zu weinen. Ich bin selbst Flüchtling und lebe seit drei Jahren in Deutschland. Mein Vater ist in Syrien gestorben und ich konnte mich von ihm nicht verabschieden. Meine Mutter lebt zurzeit in Syrien alleine, das ist für mich unerträglich.
      Wir in Syrien sind geboren um zu leiden .

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