Many couples and families have to fight for their love

Wir dokumentieren hier unseren Redebeitrag zur Demonstration “Abschiebehaft abschaffen! Für eine (Un)Geordnete Rückkehr zur Menschenwürde und Solidarität!” am 12.05.2019 am Flughafen Berlin-Schönefeld.
Here we document our speech to the demonstration „Abolish custody pending deportation For a (Dis)Orderly Return to Human Dignity and Solidarity!“ 12.05.2019 at the airport Berlin-Schönefeld.

Einige Fotos findet ihr hierYou can find some photos here.

 

Januar 2019, Lohr am Main, Bayern: Alle notwendigen Dokumente liegen beim Standesamt, aber wenige Wochen vor der Hochzeit wird Fawad Pardis nach Afghanistan abgeschoben. Seine Partnerin bleibt fassungslos zurück.

September 2018 Leipzig, Sachsen: Herrn B. und sein Sohn mit Behinderung werden nach Georgien abgeschoben, obwohl das Asylverfahren seiner Frau und seiner Tochter noch nicht abgeschlossen ist.

Oktober 2018 Berlin: Eine Frau mit mehreren Kleinkindern wird ohne ihren Ehemann nach Madrid abgeschoben. Weil sie laut schreit und nach ihrem Mann ruft, fesselt die Bundespolizei sie und trägt sie ins Flugzeug. Ihre kleinen Kinder müssen das mit ansehen und weinen laut.

Oktober 2018, Saalfeld, Thüringen: Polizisten nehmen einen werdenden Vater im Kreißsaal während der Geburt seines Kindes fest und wollen ihn wegen eines Dublin-Verfahrens nach Italien abschieben. Zum Glück protestieren zwei Hebammen und telefonieren mit den zuständigen Behörden, bis die Abschiebung abgebrochen wird und der Vater ins Krankenhaus zurückkommen darf.

April 2019, Weimar: Ein werdender Vater hat auf der Ausländerbehörde einen Termin, um seine Duldung zu verlängern. Die Polizei nimmt ihn vor den Augen seiner hochschwangeren deutschen Partnerin fest und führt in ab. Er wird trotz Vaterschaftsanerkennung wegen eines Dublin-Verfahrens nach Frankreich abgeschoben. Die Behörden hatten dem Paar eine „Missbräuchliche Vaterschaftsanerkennung“ unterstellt.

Februar 2018, Kreis Groß-Gerau, Hessen: Die Polizei holt Tariq M. zu Hause ab und schiebt ihn nach Pakistan ab. Die Ausländerbehörde reißt ihn aus seiner Familie,mit einer deutschen Partnerin und zwei kleine Töchter im Alter von fast einem und zwei Jahren, weil sie einen Schreibfehler in der Geburtsurkunde der Mädchen entdeckt hat. Die lateinische Umschrift eines Vokals im Vornamen ist in den Geburtsurkunden anders als im neu ausgestellten Pass von Tarak M.
Die Mutter der Kinder weiß seitdem nicht, wie sie ihr Studium fortsetzen soll, denn bisher hatte der Vater die beiden Mädchen versorgt, während sie an der Universität war.

Das sind nur einige Beispiele, von grausamen Familientrennungen durch Abschiebung. Wir könnten diese Aufzählung endlos fortsetzen.
Wir, die Initiative ‚Familienleben für Alle!‘, engagieren uns für die Rechte von Familien, die durch Aufenthaltsrecht und das Visumregime getrennt sind oder getrennt werden. Für uns ist klar: Solche grausamen Abschiebungen verletzen nicht nur die Grund – und Menschenrechte derjenigen, die abgeschoben werden. Sie verletzen auch das Grundrecht auf Schutz von Ehe und Familie der zurück gebliebenen Familienmitglieder.

Und diese menschenverachtenden Abschiebungen drohen vielen binationale Paaren und Familien, denn im deutschen Aufenthaltsrecht gilt eine völlig absurde Regel: Wer in Deutschland geheiratet hat, muss oft ausreisen, um vom sogenannten Heimatland aus ein Visum zur Einreise als Ehepartner*in zu beantragen, Ausreisepflicht steht an oberster Stelle. Viele binationale Paare müssen sich gleich nach der Heirat wieder auf unbestimmte Zeit trennen, um eine drohende Abschiebung zu vermeiden.

Es entscheiden Behörden, Bootschaften,Visa, Dokumente, Stempel, Paragrafen und Beamte, ob zwei Menschen zusammen leben dürfen oder nicht. Ein autoritäres System gilt mehr als die Entscheidung von Menschen für ein Zusammenleben.

Das bedeutet für viele Paare und Familien, dass sie für ihre Liebe kämpfen müssen. In diesem Kampf stehen wir solidarisch zusammen. Denn wir setzen uns ein für Familienleben für alle:

Gegen ein inhumanes und menschenrechtswidriges Aufenthaltsrecht,

gegen ein ausgrenzendes und bürokratisches Visaregime,

gegen menschenverachtende Abschiebungen.

Für sichere Fluchtwege, Für Bleiberecht und Familiennachzug für Alle!

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January 2019, Lohr-on-Main, Bavaria: All necessary documents are at the registry office, but a few weeks before the wedding Fawad Pardis is deported to Afghanistan. His partner remains stunned.

September 2018 Leipzig, Saxony: Mr. B. and his disabled son are deported to Georgia, although the asylum proceedings of his wife and daughter have not yet been completed.

October 2018 Berlin: A woman with several small children is deported to Madrid without her husband. Because she screams loudly and calls for her husband, the federal police tie her up and carry her on the plane. Her little children have to watch and cry loudly.

October 2018, Saalfeld, Thuringia: Policemen arrest a father-to-be in the delivery room during the birth of his child and want to deport him to Italy because of a Dublin case. Fortunately, two midwives protest and call the responsible authorities until the deportation is stopped and the father-to-be is allowed to return to hospital.

April 2019, Weimar, Thuringia: A father-to-be has an appointment at the authority for aliens to extend his ‘Duldung’. The police arrest him in front of his highly pregnant German partner and take him away. He is deported to France despite paternity recognition because of a Dublin case. The authorities had accused the couple of „abusive paternity recognition“.

February 2018, district of Groß-Gerau, Hesse: The police pick up Tariq M. at home and deport him to Pakistan. The authority for aliens tears him out of his family, with a German partner and two little daughters almost one and two years old, because they discovered a spelling mistake in the girls‘ birth certificates. The Latin transcription of a vowel in the first name is different in the birth certificates than in the newly issued passport of Tarak M.
The mother of the children does not know how to continue her studies since then, because the father had taken care of the two girls while she was at university.

These are just a few examples of cruel family separations by deportation. We could continue this list endlessly.
We, the Initiative ‘Familienleben für Alle!’, are committed to the rights of families separated or to be separated by the right of residence and the visa regime. It is clear to us: such cruel deportations do not only violate the fundamental and human rights of those who are deported. They also violate the fundamental right on the protection of marriage and family of the remaining family members.

And these inhuman deportations threaten many binational couples and families, because in German residence law a completely absurd rule applies: Those who have got married in Germany often have to leave the country in order to obtain a visa to enter the country as a spouse from their so-called home country; the obligation to leave the country comes first. Many binational couples have to leave immediately after marriage for an indefinite period of time in order to avoid an impending deportation.

Authorities, embassies, visas, documents, stamps, paragraphs and officials decide whether or not two people are allowed to live together. An authoritarian system is more valid than the decision of people to live together.

This means for many couples and families that they have to fight for their love. In this fight we stand together in solidarity. Because we stand up for family life for all:

against an inhuman and human rights violating right of residence,

against an exclusionary, bureaucratic and inhuman visa regime,

against deportations.

For safe escape routes, the right to stay and family reunification for everyone!

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