Familienfreundliche Politik? Gibt es für uns nicht.

Wir dokumentieren hier unseren Redebeitrag zur Demo zum Frauenkampftag am 8. März 2020 in Berlin.

In meinem Herkunftsland müssen sich Lesben und Transgenderpersonen ständig verstecken und werden bedroht. Die patriarchale Tradition fordert von Frauen oft, gegen ihre Wille zu handeln. Und manchmal sind die eigenen Eltern die ersten Gegner.
Wir fliehen nach Deutschland, weil wir Schutz suchen und uns ein Leben in Freiheit und unter menschenswürdigen Bedingungen wünschen.
Aber hier treffen wir auf Alltagsrassismus, Behördenwillkür, unfaire Asylverfahren, Ausgrenzung in Lagern und Angst vor Abschiebung.
Die deutsche Regierung und die deutschen Behörden versuchen mit allen Mitteln uns zu zwingen zurückzukehren. Nein! Wir kehren nicht zurück.
Wir Flüchtlinge und unsere Familien haben ein Recht auf Schutz in Deutschland. Denn es sind auch deutsche Waffen, mit denen Kriege in der ganzen Welt geführt werden. Denn es ist auch die deutsche Wirtschaft, die durch Ausbeutung anderer Länder Fluchtursachen schafft.

Wir, die Initiative ‚Familienleben für Alle!‘, engagieren uns für die Rechte von Familien, die durch Aufenthaltsrecht und das Visumregime getrennt sind, oder Familien, die durch Abschiebung von Trennung bedroht sind.
Denn viele Paare und Familien müssen für ihre Liebe kämpfen:
Die deutsche Regierung verweigert vielen Flüchtlingen den Familennachzug, aber auch binationale Paare leiden unter inhumanen Gesetzen.
Wir müssen in Dänemark heiraten, weil die deutschen Behörden binationalen Paaren unüberwindbare Hürden in den Weg legen. Wir müssen um jedes kleine Dokument betteln und kämpfen.
Die angeblich familienfreundliche Politik der Bundesregierung gibt es für uns nicht. Wir oder unsere Partnerinnen oder Partner und die Väter unserer Kinder sind von Ausweisung bedroht und oft trennt eine Abschiebung unsere Familien.
Denn im deutschen Aufenthaltsrecht gilt eine völlig absurde Regel: Wer in Deutschland geheiratet hat, muss oft ausreisen, um ein Visum zum Familiennachzug zu beantragen. Und es kann sehr lange dauern, bis wir dieses Visum bekommen. Aber Ausreisepflicht steht an oberster Stelle. Viele binationale Paare müssen sich gleich nach der Heirat wieder auf unbestimmte Zeit trennen, um eine drohende Abschiebung zu vermeiden.

Es entscheiden Behörden, Bootschaften,Visa, Dokumente, Stempel, Paragrafen und Beamte, ob Menschen zusammen leben dürfen oder nicht. Ein autoritäres System gilt mehr als die Entscheidung von Menschen für ein Zusammenleben.
Dagegen kämpfen wir. Denn wir setzen uns ein für Familienleben für alle:

Gegen ein inhumanes und menschenrechtswidriges Aufenthaltsrecht!
Gegen ein ausgrenzendes und bürokratisches Visaregime!
Gegen menschenverachtende Abschiebungen!
Für sichere Fluchtwege! Für Bleiberecht und Familiennachzug für Alle!

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