Offener Brief an die Büro-Mitarbeiter*innen der Seebrücke

Offener Brief an die Büro-Mitarbeiter*innen der Seebrücke

Liebe Büro-Mitarbeiter*innen der Seebrücke,

wir schreiben euch, weil wir möchten, dass ihr euch zu einem konkreten Vorfall von Verletzung von Bildrechten äußert. Gleichzeitig möchten wir betonen, dass es dabei aus unserer Sicht um mehr als nur um Bildrechte geht.
Wir wenden uns öffentlich an euch, weil ihr auf unsere E-Mail vom 18.03., in der wir euch ein Gespräch angeboten haben, nicht geantwortet habt.

Worum geht es konkret?

Am 17.03.2021 um 18:46 Uhr schrieb uns eine*r eurer Büro-Mitarbeiter*innen:
„Hallo ihr Lieben,
hier ist (Name entfernt) von der Seebrücke. Wir wollen morgen in unserem Newsletter dazu aufrufen, dass Menschen Mails an die Diakonie schreiben, damit das Programm für Familienzusammenführung weiter bestehen bleibt. Ihr habt auf eurer Seite ein Foto von einem Demo-Schild mit dem Schriftzug “wo ist mein Papa?” Dürften wir es vielleicht verwenden und habt ihr es eventuell in high resolution?
Liebe Grüße,“
Ohne unsere Antwort abzuwarten wurde am 18.03.2021 um 12:11 euer Newsletter mit der Überschrift „Wo ist mein Papa?“ und unserem Bild veröffentlicht, ohne das Bild mit einer Quellenangabe zu versehen. Das Bild diente zur Illustration einer Bitte an die Leser*innen, E-Mails an die Diakonie zu schreiben und die Diakonie aufzufordern, ihren Fonds für Familienzusammenführungen beizubehalten.

Wir empfinden das als Ausbeutung und als respektlos.

Ihr habt euch als NGO mit 13 bezahlten Mitarbeiter*innen einfach so bei den Bildern einer Initiative bedient, in der ausschließlich „ehrenamtlich“ gearbeitet wird, ohne uns zumindest die Ehre eines Bildnachweises zu geben.
Außerdem habt ihr als Team das mehrheitlich aus weißen Personen besteht, ein Demo-Schild einer Selbstorganisation von schwarzen Geflüchteten benutzt, ohne sie zu erwähnen.

Gleichzeitig habt ihr das Demoschild der Initiative Familiennachzug Eritrea aus dem Zusammenhang gerissen:
Seit Juli 2020 protestiert die Initiative Familiennachzug Eritrea dagegen, dass das (gesetzlich verankerte) Recht von anerkannten Flüchtlingen auf Familiennachzug durch die Behördenpraxis des Auswärtigen Amts ausgehebelt wird. Die eritreischen Geflüchteten haben für ihre Aktionen das Logo der Initiative Familienleben für Alle übernommen und damit ihre Verbindung zu anderen Kämpfen von Flüchtlingen deutlich gemacht. In der Initiative Familienleben für Alle! haben Menschen mit subsidiärem Schutz gemeinsam mit anderen Menschenrechtsaktivist*innen von Januar 2018 bis Juni 2020 gegen gesetzliche Einschränkungen des Rechts auf Familienleben gekämpft. Uns ging bzw. geht es darum, das Recht auf Familienleben für Alle zu erstreiten und die Abschaffung von gesetzlichen und bürokratischen Hürden einzufordern.
Ein Appell an einen Wohlfahrtsverband, Familienzusammenführungen weiterhin (finanziell) zu unterstützen, hat mit diesem Kampf nichts zu tun. Denn die Diakonie vergibt keine Visa und hat auf die Visavergabepraxis der Botschaften keinen Einfluss. Der Fonds der Diakonie dient(e?) lediglich dazu, Familien bei den hohen Kosten der Familienzusammenführung ( wie Passkosten, Kosten für DNA-Tests, Flugtickets oder Ausreisegebühren) zu entlasten. Übrigens macht die Diakonie auch darauf aufmerksam, dass dies eigentlich eine staatliche Aufgabe wäre.

Ihr habt Recht: Ein Sicherer Fluchtweg ist in Gefahr!
Der sichere Fluchtweg Familienzusammenführung ist seit langem in Gefahr, weil Gesetze und ein bürokratisches System der Abschottung Familien trennen. Dafür ist nicht die Diakonie verantwortlich. Verantwortlich sind Mitarbeiter*innen in Verwaltungen und Ministerien und ihre Vorgesetzten: Heiko Maas (SPD) als Außenminister und Horst Seehofer (CSU) als Innnenminister. Verantwortlich sind Abgeordnete des Bundestages, die Gesetzen zugestimmt haben, mit denen Familien getrennt werden oder getrennt bleiben. Verantwortlich sind auch Parteimitglieder der Regierungsparteien, die dem anscheinend schweigend zustimmen.

„Gerade jetzt vor den Bundestagswahlen müssen alle gesellschaftlichen Kräfte zusammenstehen und die Rechte aller Schutzsuchenden verteidigen.“ sollen die Leser*innen eures Newsletters an die Diakone schreiben.
Das finden wir auch, aber wir richten diesen Appell an euch. Beschäftigt euch mit den Forderungen von Schutzsuchenden nach Rechten, greift ihre Forderungen auf und unterstützt sie, anstatt in ihrem Namen und mit ihren Bildern um Almosen zu betteln.

Wir schlagen euch deshalb vor, mit der Initiative Familiennachzug Eritrea ins Gespräch zu gehen, wie ihr ihre Arbeit konkret unterstützen könnt.

Erwartungsvolle Grüße,

Bruno Watara, Aktivist (unter anderem in der früheren Initiative Familienleben für Alle!)
Do Lindenberg, Aktivistin in der früheren Initiative Familienleben für Alle! und ViSdP von Initiativen für Familienleben für Alle!

Beitragsbild von Media Design and Media Publishing auf Pixabay

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